Plätze, Märkte, Bahnhöfe und Kirchen sind Orte des Alltags und der Begegnung. Nach den Angriffen auf europäische Städte in den vergangenen Jahren stehen diese öffentliche Räume jedoch auch zunehmend unter Druck und rücken verstärkt in den Fokus sicherheitspolitischer Debatten. Der europäische Leitfaden Security by Design setzt genau hier an und zeigt, wie Sicherheitsaspekte von Beginn an in die Gestaltung öffentlicher Räume integriert werden können ohne unsere Städte in abgeschottete Festungen zu verwandeln.

In den vergangenen Jahren wurden öffentliche Räume immer wieder zum Ziel terroristischer Anschläge in europäischen Städten. Die Reaktion darauf ist oft schnell formuliert: mehr Kontrolle, mehr Barrieren, mehr Abschottung. Doch Sicherheit allein durch technische Maßnahmen oder sichtbare Sperren zu erzeugen, greift zu kurz und gefährdet im schlimmsten Fall genau jene Qualitäten, die unsere öffentlichen Räume ausmachen.

Der Leitfaden Security by Design: Protection of public spaces from terrorist attacks, entwickelt von Expert*innen der Europäischen Kommission, aus Wissenschaft und Sicherheitsforschung, schlägt einen anderen Weg vor. Auch wenn das Dokument nicht rechtlich bindend ist, formuliert es eine klare Haltung: Sicherheit soll nicht nachträglich „aufgesetzt“, sondern von Beginn an als integraler Bestandteil des Entwurfs mitgedacht werden.

Security by Design richtet sich an all jene, die öffentliche Räume planen, betreiben oder weiterentwickeln – von Projektteams und Sicherheitsverantwortlichen über Stadt- und Landschaftsplaner*innen bis hin zu Auftraggeber*innen und Behörden. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Hinweise, wie Sicherheitsanforderungen frühzeitig in Planungsprozesse integriert werden können, ohne Nutzung, Gestaltung oder Zugänglichkeit einzuschränken.

Der Anspruch ist dabei bewusst umfassend. Öffentliche Räume sollen nicht nur sicherer werden, sondern zugleich multifunktional, nachhaltig und für alle Menschen zugänglich bleiben. Der Leitfaden macht deutlich, dass Sicherheit kein Gegensatz zu Gestaltung ist, sondern Teil davon sein kann – wenn sie klug, ortsspezifisch und zurückhaltend umgesetzt wird. Statt massiver Sperren oder abschreckender Kontrollarchitekturen setzt Security by Design auf räumliche Lesbarkeit, gute Orientierung, soziale Kontrolle, robuste Materialien und flexible Nutzbarkeit.

Im Kern wendet sich das Konzept gegen die Vorstellung der „urbanen Festung“. Städte sollen nicht aus Angst verhärten, sondern durch sorgfältige Planung resilienter werden. Sicherheit entsteht hier nicht durch Abschottung, sondern durch Qualität: durch gut gestaltete Räume, die belebt sind, genutzt werden und sich aneignen lassen. Security by Design liefert damit weniger ein starres Regelwerk als vielmehr eine Denkweise. Eine Einladung, Sicherheit als selbstverständlichen Teil von Entwurf und Planung zu begreifen und öffentliche Räume auch in herausfordernden Zeiten als offene und gemeinschaftliche Orte weiterzudenken.

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